Achille Castiglioni  war ein bekannter Vertreter und Mitbegründer des Italian Design, der mit seinen Designprinzipien viele andere Designer und Architekten maßgeblich beeinflusste und vor allem für seine unorthodoxe, spielerische Art bekannt war, die alte Designtraditionen einfach über den Haufen warf.


„Design ist die Suche nach Perfektion in der Sprache der Form.“ – Achille Castiglioni

Achille Castiglioni: Leben

Achille Castiglioni wurde 1918 in Mailand als jüngster Sohn eines Bildhauers geboren. Die Gabe, sich selbst im Gestalten einer Form zu verwirklichen sei allen drei Brüdern als eine Art Erbe mitgegeben worden, sagte er einmal. Trotzdem lässt sich nicht ganz sagen, wie ernst er das meint, denn er sagte fast alles in einer Art Scherz, so wie seine Designentwürfe voll Humor, Selbstironie und Spiel sind.

1944 schließt Achille Castiglioni sein Studium der Architektur am Mailänder Polytechnikum ab, um darauf im 1938 eröffneten Architekurbüro seiner Brüder Livio und Pier Giacomo mit einzusteigen. Während Livio später seine eigenen Wege vergeht, um die verrückte Lichtschlange „Boalum“ für Artemide zu entwerfen, arbeitet Achille Castiglioni bis zu dessen Tod im Jahre 1968 mit seinem intellektuellen Bruder Pier Giacomo zusammen.

Da am Anfang während der 1950er die Architekturaufträge für die Brüder rar waren, verlegen sie sich auf das Produktdesign alltäglicher Gegenstände, wie zum Beispiel einem Staubsauger oder einer Türklinke. Während dieser Zeit erforschen sie neue Formen des Wohnens, die sich später auszahlen sollte.

1955 entwarfen sie bereits eine hängende Stehlampe, die bei ihrer Umsetzung 1962 zu einem waschechten Designklassiker heranreifen sollte – „Arco“.

1956 mitbegründete er die ADI, die Associazione per il Disegno Industriale, zusammen mit anderen namhaften Architekten und Designern wie zum Beispiel Vico Magistretti.

1957 brachten Achille und Pier Giacomo Castiglioni im Zuge einer Ausstellung ihre bislang radikalsten Prototypen ins Licht der Öffentlichkeit, wie beispielsweise einen umfunktionierten Traktorsitz – ein „Ready-Made“ innerhalb eines Sammelsuriums von Paraphernalien und Krimskrams.

In den 1960er Jahren brach die Zeit der Castiglioni-Brüder endlich an, und sie arbeiteten mit renommierten Herstellern wie Kartell, Zanotta, Alessi oder Siemens zusammen und gewannen zahlreiche Designpreise. Besonders die Lampen für Flos und Artemide von Pier Ciacomo und Achille Castiglioni sind so bekannt geworden, dass sie fast schon zur Grundausstattung jedes guten Designmuseums gehören.

1968 stirbt Pier Giacomo. Achille Castiglioni setzt die Arbeit, die die Brüder gemeinsam begonnen hatten fort, und widmet sich dem Industriedesign.

1981 wird Achille Castiglioni Professor für Industriegestaltung und Raumdesign am Polytechnikum in Mailand. Davor hatte er bereits Architektur in Turin unterrichtet.

1987 erhält er den Ehrentitel des Royal College of Art in London.

Auch die 1990 Jahre sind geprägt von Lehrtätigkeit, Ausstellungen und zahlreichen erfolgreichen und preisgekrönten Designentwürfen.

Achille Castiglioni stirbt 2002. Im Museum of Modern Art in New York sind 14 seiner Stücke ausgestellt. Sein Werk und seine Lehrtätigkeit beeinflusst viele andere Künstler, Architekten und Designer, und viele haben Achille Castiglioni als Inspiration und Vorbild gewürdigt, darunter Größen wie Ettore Sottsass, Philippe Starck und Patricia Urquiola.

Achille Castiglioni: Werk

Achille Castiglioni ist an Entwürfe herangegangen, ohne sich an bereits bestehenden Konzeptionen zu orientieren. Damit befreite er die Welt der Gestaltung von überkommenen Mustern und Grenzen. Die kindliche Naivität, die er sich bei seiner Arbeit bewahrt hat, und die große Freiheit, die er sich nicht hat nehmen lassen, bedingen den großen Spaß, den er bei seiner Arbeit empfunden hat, denn er hat wie ein Kind mit Formen, Farben und Strukturen gespielt. Dieser Spaß steckt sichtbar in jedem einzelnen seiner Stücke.

Trotzdem ist auch Achille Castiglioni kein Freund von dekorativer Verspieltheit um ihrer selbst willen. Wie viele andere Designer der Moderne findet auch er, dass ein Objekt zu allererst optimal funktionieren muss – und dann gut aussehen. Der Einsatz von dekorativen Elementen wie zum Beispiel Farbe verlangt stets nach einer Rechtfertigung. Deshalb gefiel es ihm auch so gut, Dinge neu zu verwenden und zu verbessern, anstatt einfach aus Prinzip heraus neu zu entwerfen. Das ist das Konzept des Readymade: Alltagsgegenstände werden zweckentfremdet und funktionieren plötzlich in ganz neuer Umgebung – wie ein Zaubertrick!

Achille Castiglioni: Most Loved

Achille Castiglioni hat über die Zeit viele bekannte Klassiker entworfen. Doch das schönste an seinen Stücken ist die Leichtigkeit und Freude, die sie ausstrahlen. Her sind unsere Lieblinge:

• Der Tisch Leonardo von 1940 für Zanotta ist ein früher, aber dauerhaft beliebter und geschätzter Klassiker, der den Einfluss der Readymade-Tradition auf schöne Weise erkennen lässt.
• Der Sitz Mezzadro von 1957 wurde erst 1971 von Zanotta auf den Markt gebracht und hat mit seiner Unkonventionalität die Gemüter erhitzt. Heute gilt er als etablierter Designklassiker.
• Die Lampe Viscontea für Flos gehört zu den Lampen, die Achille Castiglioni und seinem Bruder zum Durchbruch verhalfen. Der kokonartige Lampenschirm aus Kunstfaserharz gibt der Lampe ein seidiges, texturiertes Licht.
• Die Lampe Arco von 1962 für Flos kombiniert die Vorteile von Stehlampe und Pendelleuchte. Sie ist nicht nur äußerst stabil, man fühlt sich unter ihr auch wie unter dem Schatten eines schützenden Astes – außer, dass anstatt von Schatten Licht ist.
• Die Lampe Taraxacum von 1988 für Flos ist die Weiterentwicklung seines Modells aus den 60er Jahren. Die über die Kugel verteilten Ausformungen wurden durch Glühbirnen ersetzt, sodass das Gebilde an eine riesige Christbaumkugel erinnert.
• Der Sangirolamo Tisch und Bücherschrank wurde 2006 posthum von Poltrona Frau auf den Markt gebracht. Die Serie ist im selben Maße wunderlich wie klar und streng. Eine fantastische Kombination.

Achille Castiglioni hat die Art zu Wohnen revolutioniert, aber niemals seinen Witz verloren. Es war ihm stets wichtig, mit Humor an eine Sache zu gehen: Das gibt mehr Freiheit, die Welt so zu nehmen, wie sie ist.

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