Le Corbusier war ein bedeutender Architekt und Designer des beginnenden 20ten Jahrhunderts, viel mehr aber war er ein Architekturtheoretiker, der mit seinen modernen Ideen eines hochfunktionellen Wohnens das prägte, was heute als Internationaler Stil bekannt ist: Eine radikale Ästhetik innerhalb der klassischen Moderne.


„Das Haus ist eine Maschine zum Wohnen“ – Le Corbusier

Le Corbusier: Leben

Le Corbusier wurde 1887 als Charles-Édouard Jeanneret-Gris in La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuchâtel (Neuenburg) in der Schweiz geboren. Sein Vater war Graveur und Emaillierer von Uhrengehäusen, seine Mutter Musikleherin. So besuchte auch Charles-Edouard die örtliche Kunstgewerbeschule École d’Art, interessierte sich aber besonders für Malerei und Architektur.

Anfang des 20ten Jahrhunderts bereiste Le Corbusier Europa. Er besuchte Mailand, Florenz, Padua, Venedig, Budapest, Wien, Paris, Konstantinopel, Athen, Pompeji und Rom und hielt sich eine Zeit lang im Atelier von Peter Behrens in Potsdam-Neubabelsberg bei Berlin auf, wo er vermutlich mit der Arbeit von Ludwig Mies van der Rohe, Walter Gropius und Frank Lloyd Wright bekannt wurde. Das Kloster von Galluzzo bei Florenz hat Le Corbusier mit seiner Funktionalität nachhaltig beeindruckt.

Während dieser Zeit fertigte Le Corbusier Architekturstudien und Aquarelle und arbeitete an verschiedenen Projekten, sodass er 1912 als Lehrer für Architektur und Inneneinrichtung an der Kunstgewerbeschule École d’Art seines Heimatortes anfangen konnte und auch selbständig als Architekt und Innenausstatter arbeitete.

Zeit in Paris: 1917 zog Le Corbusier nach Paris, wo er den Maler Amédée Ozenfant kennenlernte. Die Auseinandersetzung der beiden mit dem Kubismus führte zu ihrem Manifest des Purismus, und 1919 gründeten sie zusammen mit Paul Dermée die Zeitschrift L’Esprit Nouveau, um ihre ästhetischen Ideen öffentlich zu machen. In dieser Zeitschrift unterschrieb er 1920 auch zuerst mit dem selbstgewählten Pseudonym „Le Corbusier“, das auf den Namen seines Urgroßvaters zurückgeht.

In seinen Artikeln in der L’Esprit Nouveau entwickelte Le Corbusier seine Fünf Punkte zur Architektur, die 1923 auch in dem Buch Vers une Architecture in Zusammenfassung erschienen. Außerdem entwickelte er eine Farbenlehre, die unter dem Namen „Polychromie Le Cobusier“ auch heute noch Architekten dazu dient, die Wirkung von Licht und Farben zu visualisieren und zu nutzen.

1922 gründete er mit seinem Cousin Pierre Jeanneret ein eigenes Architekturbüro, die Zusammenarbeit mit Ozenfant löste sich nach ihrem Höhepunkt, dem avantgardistischen Pavillon auf der Exposition Internationale des Arts Décoratifs 1925, auf.

1927 nahmen Le Corbusier und Pierre Jeanneret am Wettbewerb für den Völkerbundpalast in Genf teil und erhielten einen ersten Preis, sie scheiterten aber an Formalitäten, weswegen sie nicht am Bau teilhatten. Dafür baute Le Corbusier die Weißenhofsiedlung in Stuttgart nach seinem Fünf Punkte Plan.

1928 mitbegründete er den Congrès International d’Architecture Moderne.

1929 trat Le Corbusier seine erste Südamerikareise an, bei der er Josephine Baker kennen lernte, die Teil der Inspiration für sein berühmtestes Werk war, die Villa Savoye. Zu dieser Zeit entwarf Le Corbusier zusammen mit der Designerin Charlotte Perriand auch eine Reihe an Möbeln, die Reihe LC1 bis LC7, die heute als Klassiker des modernen Designs gelten.

1930 nahm Le Corbusier die französische Staatsbürgerschaft an und heiratete Yvonne Gallis, Model und Modemacherin aus Monaco. Er nahm weiterhin an Wettbewerben teil und sorgte mit seinen Entwürfen und Publikationen für Furore, größere Bauaufträge blieben jedoch aus.

1933 entwickelte er die Charta von Athen, ein Konzept der Stadtplanung, das den urbanen Lebensraum nicht nur in verschiedene Bereiche aufteilt, sondern auch hohe Appartementhäuser und autogerechte, funktionale Transportwege vorsieht. Er unternimmt danach eine zweite Reise und Projekte in Südamerika.

Zweiter Weltkrieg: Mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges 1940 schloss Le Corbusier sein Architekturbüro und floh in die Pyrenäen. 1941, nach der Besetzung Frankreichs, zog er nach Vichy, weil er mit dem dortigen Regime sympathisierte und für die neuordnende Kraft dieser Zeit fantastische Bauten errichten wollte. Doch, ein Segen für seinen Ruf und seine Tätigkeit, es kam nie dazu.

Während dieser Zeit begann Le Corbusier außerdem mit der Entwicklung des Modulor: Einer Proportionslehre, basierend auf den menschlichen Proportionen und dem Goldenen Schnitt, die fortan als Grundlage für eine Kunst und Architektur diente.

Nach dem zweiten Weltkrieg: Le Corbusier konnte nach Ende des Krieges seine Arbeit wieder aufnehmen und ein neues Büro in Paris eröffnen und half als Vorsitzender der Städtebaukommission beim Wiederaufbau. Er besuchte außerdem die USA und traf Albert Einstein.

Le Corbusier war an der Planung des UN-Hauptquartiers in New York beteiligt, ausführender Architekt war aber wieder ein anderer, was nicht verwunderlich ist, bedenkt man, dass Le Corbusier das Handwerk der Architektur nie gelernt hatte und die Bewohner seiner Bauten oft über Mängel klagten. Der künstlerischen Vision und Wirkungsmacht seiner Entwürfe tat dies jedoch keinen Abbruch.

Schließlich konnte er trotzdem einige große Bauten vollenden, wie die Regierungsbauten in Chandigarh, Indien, die Unité d’Habitation in Marseille, eine Wallfahrtskirche in Ronchamp, eine Schleuse am Rhein-Rhône-Kanal, das Nationalmuseum für westliche Kunst in Tokio und das Carpenter Center for Visual Arts an der Harvard University.

Mit 78 Jahren starb Le Corbusier an einem Herzinfarkt, während er im Mittelmeer schwamm, in Roquebrune Cap-Martin, wo er sein Ferienhäuschen Le Cabanon hatte. Die Trauerfeier war ein weltweites mediales Spektakel, was den großen Einfluss seiner Ideen und Prinzipien in der damaligen und heutigen Welt des Designs widerspiegelt. Le Corbusier war Träger mehrerer Ehrendoktortitel, viele seiner Werke gelten heute als Weltkulturerbe.

Le Corbusier: Werk

Trotz seines berühmten Ausspruchs von der Wohnmaschine wollte Le Corbusier den Wohnraum nicht entmenschlichen, sondern ihn höchstfunktional auf die Bedürfnisse des Menschen ausrichten, mit einer radikalen Ästhetik, deren Design sich aus dieser idealen Effizienz ableitet. Verzierung und Dekoration als Selbstzweck lehnte Le Corbusier ab, sein Modulor zeigte jedoch die Wichtigkeit des Menschen als Ausgangspunkt all seiner Überlegungen.

Seine Bauten sind von beeindruckender Schönheit, was sich mit dem Fünf Punkte Plan seiner gestalterischen Prinzipien erklären lässt: Tragende Säulen, die seinen Gebäuden Leichtigkeit geben, ein offener Grundriss, der durch die Flexibilität der Wände erst möglich wird, eine ebenfalls freie Fassade, lange, horizontale Fenster, die ein gleichmäßiges Licht in den Raum lassen, und ein Dachgarten auf dem Flachdach, der der Natur die beanspruchte Fläche wiedergibt, sind heute allesamt Qualitätsmerkmale modernen Wohnens und begehrte Features.

Le Corbusier: Most Loved

Cassina, der Hersteller der Designermöbel von Le Corbusier, macht bis heute ein Drittel seines Umsatzes allein mit der LC-Reihe. Die Möbel, die er lieber als „Equipment“ sah, sind die materialisierten Prinzipien Le Corbusiers künstlerischer Theorien.

LC1 – ein Stuhl mit einem Rahmen aus poliertem Chrom, bezogen mit Leder bzw. Kuhfell.
LC2 – Sessel und Sofa mit dicken Polstern in einem Quader, umgeben von einem Gestell aus Chrom oder emailliertem Stahl, großes Modell (grand confort).
LC3 – Sessel und Sofa mit dicken Polstern in einem Quader, umgeben von einem Gestell aus Chrom oder emailliertem Stahl, kleines Modell (petit confort).
LC4 – die berühmte Liege oder Chaiselongue, gelegen in einem halbrunden Gestell.
LC5 – Sofas mit einem zurückhaltenderen Gestell und simpler Polsterung.
LC6 – ein schwarzer Stahltisch mit schwarz texturierter Glasplatte.
LC7 – ein einfacher, aber genialer Drehstuhl.

Le Corbusier war ein schöpferischer Geist, der mit seiner radikalen modernen Ästhetik unser heutiges Wohnen so sehr geprägt hat wie kaum jemand sonst. Umso besser daher, dass sein Design von Anfang an für und um den Menschen herum angelegt war.

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