Philippe Starck ist der bekannteste Designer unserer Zeit, vielleicht ist er mittlerweile sogar der bekannteste überhaupt. Und doch will er sich selbst nicht als Designer sehen. Warum? Weil er Schönheit für sinnlos hält, und immaterielle Werte voranstellt – und vielleicht kaufen wir auch deshalb am Ende seine Zitronenpresse.


„Wir brauchen nichts materielles. Viel wichtiger ist, dass man eine eigene Ethik entwickelt. Und dass man sich an diese Regeln auch hält. Ansonsten muss man sich um nichts sorgen.“ – Philippe Starck

Philippe Starck: Leben

Philippe Starck wurde 1949 in Paris als Sohn eines Luftfahrtingenieurs geboren. Schon früh übt er an seines Vaters Zeichentisch das Entwerfen, Experimentieren und Gestalten. Witziges Detail: Sein innenarchitektonisches Talent beginnt mit der Konzeptionierung ausgefeilter Folterräume für gehasste Lehrer. Leider hat sich dafür bisher kein Auftraggeber finden lassen.

Philippe Starck studiert an der Privatschule für Produktdesign und Innenarchitektur Ecole Nissim de Camondo, die von jüdischen Philanthrophen in Paris gegründet wurde. Die Verbindung von Design und Werten, von Schein und Sein, hat Philippe Starck hier bereits früh erfahren.

Bereits mit 19 Jahren, 1968, verlässt Philippe Starck die Schule, und gründet seine eigene Firma, Starck Products, die Aufblasbares herstellt. (Später tauft er sie in „Ubik“ um.) Seine Arbeit macht Pierre Cardin auf in aufmerksam, in dessen Studio er 1972 Art Director wird.

1976 entwirft Philippe Starck für zwei Pariser Nachtclubs, das La Main Bleue und das Les Bains Douches die Inneneinrichtung, was sein erster Meilenstein auf dem Weg zum meist gefeierten Designer unserer Zeit war. Die Nachtclubs wurden legendär. Philippe Starck beginnt nun vermehrt im Industriedesign zu arbeiten und schafft Produkte für renommierte Hersteller wie unter anderem Driade, Alessi, Kartell und Vitra.

1983 kam für Philipe Starck die Adelung unter den Designern und Innenarchitekten: Er durfte die Privaträume von François Mitterrand im Élysée-Palast gestalten, auf Empfehlung des damaligen Kulturministers Jack Lang. Ein weiteres legendäres Café, das Café Costes, schloss sich daran an. Philippe Starck’s Ruhm war mit knapp 35 Jahren besiegelt.

1985 designte Philippe Starck sein erstes Restaurant, das Teatron in Mexico und hat davon bis heute nicht abgelassen. In den 2000ern entstanden unter seiner Führung das Bon, die Mori Venice Bar, und das Paradis du Fruit in Paris, sowie das japanische Katsuya in Los Angeles. Die Kombination aus erstklassiger Gourmetküche und ästhetisch gefälligem Interieur entspricht Philippe Starck’s Maxime, dass Design immer etwas Gutes für die Menschen sein sollte.

1988 gestaltete Philippe Starck zusammen mit Ian Schrager das Royalton Hotel in New York. Das Hotel stellt den Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt und Hotels weltweit mausern sich zu Orten der Freude, des Abenteuers und der Wunder.

1989 kann Philipp Starck seine ersten Erfahrungen im Bereich der Architektur in Japan sammeln. Obwohl er sich selbst ebenso wenig als Architekt begreift wie als Designer, baut er mehrere außergewöhnliche Gebäude in Tokio, die stets seine Vision von einem intelligenten Zusammenleben in sich tragen. Auf das Nani Nani und die Asahi Beer Hall folgten ebenfalls viele andere Gebäude rund um den Globus.

Mit Restaurants, Hotels und Architektur, sowie ausgewählten Produkten aus dem Industriedesign hält sich Philippe Starck in den 90er Jahren beschäftigt und erweitert seine Fähigkeiten genauso wie seinen Ruf. Aus dieser Zeit stammt sein berühmtes Badezimmer-Interieur für Hansgrohe, Axor, Duravit und Hoesch, sowie die Zitronenpresse Juicy Salif für Alessi.

1996 beginnt für Philippe Starck wieder ein neuer Abschnitt: Mit den Starck Eyes Brillen begibt er sich erstmals in den Bereich Fashion. Auch diese Tätigkeit entstand schlicht aus dem Wunsch heraus, etwas Intelligentes und Tragbares für Freunde zu finden. Seitdem folgten noch weitere Fashion-Gegenstände.

Auch in den 2000ern ist Philippe Starck so umtriebig und produktiv wie eh und je in allen Bereichen, obwohl er sich mit dem Gedanken trägt, seine Arbeit als Designer ruhen zu lassen. Er konzentriert sich mehr und mehr auf die Verbreitung seiner moralischen, ökologischen und sozialen Botschaften in einer anderen Art und Weise als durch Design.

Neben all den großen Bürogebäuden, Hotels, Restaurant, Designermöbeln, Accessoires und Yachten, hat sich Philippe Starck stets auch kleinen Dingen zugewandt. Auch eine Zahnbürste, ein Teddybär und ein Wecker gibt es von ihm, denn Philippe Starck hat nie den eigentlichen Sinn seiner Arbeit aus den Augen verloren: Für seine Mitmenschen nützlich zu sein.

Philippe Starck: Werk

Philippe Starck’s Opus ist kaum überschaubar, aber in einer Weise trägt jedes von ihm entworfene Stück dieselbe Botschaft – es möchte auf gute Weise nützlich sein. Schönheit ist dabei nur ein Nebenprodukt der Perfektion und der Verkörperung der immateriellen Werte, mit denen Philippe Starck an seine Arbeit herangeht. Er betrachtet sich nicht als Designer oder (Innen-)architekt, sondern in erster Linie als Mensch, als Bürger, der die Verantwortung trägt, auf seine Weise an unserer Gemeinschaft zu partizipieren und unserer Gesellschaft Gutes beizusteuern. Dies tut er mit dem einzigen Mittel, das er hat: Mit seiner Macht der Gestaltung.

Philippe Starck hat die Design-Welt mit seinem Konzept des Demokratic Design revolutioniert. Sein Ansatz schönes „Design“, also Gegenstände, die funktionieren und gut sind, allen zugänglich zu machen, erschwinglich zu machen und sie ihres elitären Skopus zu entrücken, hat auf ganzer Ebene Erfolg gehabt. Mittlerweile hat er eine neue Maxime: Democratic Ecology. Ökologisch leben und Energie effizient nutzen, soll für alle eine Selbstverständlichkeit werden, weshalb er sich dem Design von Windrädern von der Stange verschrieben hat. Diese sind bezahlbar, passen in jeden Garten und können nicht nur den eigenen Energiebedarf decken, sondern auch noch überschüssige Energie erzeugen. Seine Aufträge zum Entwurf luxuriöser Nobelprojekte nutzt er dabei, um neue Technologien zu prüfen und auszuprobieren, um sie unserer Gesellschaft nutzbar zu machen.

Philippe Starck: Most Loved

Philippe Starck hat sich über die Jahre zahllosen Projekten gewidmet. Die Bedeutung seiner gesellschaftlichen Botschaften ist dabei mehr und mehr zu Tage getreten. Und vielleicht war es ja schon immer das, was seine Entwürfe so schön macht. Hier unsere most loved:

• Zitronenpresse Juicy Salif für Alessi, 1990, erinnert wahlweise an eine Spinne oder eine Rakete und macht einfach nur Spaß.
• Badezimmerserie Starck 1 für Duravit, 1994, bringt die Form alter Waschtröge wieder zurück in unsere Badezimmer.
• Stuhl Peninsula wurde 1996 für das Hotel Peninsula in Hong Kong entworfen, kam bei Xo in Serie und ist mit Gesichtern bedruckbar.
• Outdoorserie Bubble Club für Kartell, 2000, widersteht allen Witterungen ohne nach Garten auszusehen.
• Lehnstuhl Louis Ghost für Kartell, 2000, macht die Opulenz des Königs von Frankreich für die Masse erlebbar.
• Lampen Bedside Gun für Flos, 2006, mit einer eindeutigen Botschaft: Die Gesellschaft bekommt das Design, das sie verdient.

Ein Produkt von Philippe Starck ist etwas Wunderschönes und man möchte es genießen. Aber bevor man sich in einem der von ihm designten teuren Luxushotels einmietet, sollte man den Grundgedanken seiner Arbeit beherzigen: In unserer heutigen Welt brauchen wir 90 % des Materiellen um uns herum nicht mehr. Alles, was wir müssen, ist, unser Leben sinnvoll gestalten.

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