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Vico Magistretti war ein Achitekt und Designer, der im 20ten Jahrhundert dafür stand, aus dem Essenzialismus der Moderne den Kult des Italian Design mitzubegründen. Obwohl seine Entwürfe das moderne Wohnen revolutionierten, wandte er sich bis zuletzt gegen gestalterische Experimente um ihrer selbst willen – seine Werke waren stets funktionell und solide.


„Ich glaube, dass Architektur, und das Entwerfen, immer von der Realität bedingt ist. Wenn nicht, dann ist es etwas anderes, eine andere Art von Arbeit.“ – Vico Magistretti

Vico Magistretti: Leben

Ludovico Magistretti wurde 1920 in Mailand in eine mittelständische Architektenfamilie geboren, die in Mailand bereits einige bedeutende Projekte mitgestaltet hatte. Vico Magistretti blieb sein ganzes Leben lang seiner Heimatstadt treu, auch wenn er in den letzten Jahrzenten seines Lebens die zunehmende Fashion-isierung Mailands beklagt und kritisiert hat.

1939 begann Vico Magistretti selbst das Studium der Architekur am Mailänder Polytechnikum. Doch kurz darauf wurde er von dem beginnenden Krieg gezwungen, seine geliebte Stadt und seine Familie zu verlassen.

Er ging 1943 während seines Militärdienstes in die Schweiz, um eine Deportation nach Deutschland zu vermeiden, und belegte dort einige Kurse am Champ Universitaire Italien in Lausanne. In dieser Zeit begegnete er Ernesto Nathan Rogers, dem Gründer des Architekturbüros BBPR, der ebenfalls in der Schweiz Unterschlupf gefunden hatte, und sein geistiger Mentor wurde.

1945, sofort nach Ende des Krieges, kehrte Vico Magistretti nach Mailand zurück und schloss sein Studium der Architektur am Polytechnikum ab. Danach stieg er im Büro seines Vaters ein, um mit ihm zusammen am Aufbau des bald schon rasant boomenden Mailands zu arbeiten. Tragischerweise verstarb Pier Guilio Magistretti jedoch noch im selben Jahr frühzeitig.

Trotzdem widmete sich Vico Magistretti zwischen 1945-49 dem Wiederaufbau Mailands und war zusammen mit anderen Architekten an 14 Projekten des INA-Casa-Programms beteiligt, das sich, angetrieben von humanistischen Ideen, um qualitative und menschenwürdige Arbeiterwohnungen kümmerte. In dieser Zeit engagierte sich Vico Magistretti zusammen mit Mario Tedeschi ebenfalls im Projekt QT8, das Häuser für Kriegsveteranen, die aus Afrika zurückkehrten, und die Kirche Santa Maria Nascente baute.

Vico Magistretti feierte in den 1950ern, der Zeit der aufblühenden Mailänder Designindusrie, zusammen mit seinem Partner große Erfolge, insbesondere im Rahmen der Mailänder Triennale, für die er auch einen Ausstellungsraum entwarf und in der Jury tätig war.

In den 1950er Jahren entwarf Vico Magistretti auch zwei seiner bekanntesten Gebäude, bevor er sich mehr und mehr dem Industriedesign zuwandte. Schon 1946 hatte er mit selbstgemachten Einrichtungsgegenständen an Ausstellungen teilgenommen, so wie auch sein Kollege Achille Castiglioni. Doch erst mit seiner engen Freundschaft zu Cesare Cassina von Cassina S.p.A., dem italienischen Hersteller von Designermöbeln, der später exklusiv die Kunstwerke aus der Feder von Le Corbusier vertreiben durfte, wurde Vico Magistrettis Talent zum Industriedesign in voller Blüte entfaltet.

1959 kam bei Cassina der Lehnstuhl Carimate heraus, der sofort zu einem Liebling des Publikums der Swinging Sixties sowie zu einem bewunderten Designklassiker wurde. Er war ursprünglich zur Einrichtung des Golfclubs vorgesehen, den Vico Magistretti gebaut hatte – er war selbst ein passionierter und exzellenter Golfer mit einem Handicap von 9.

Von 1960 an begann Vico Magistretti in enger Kooperation mit Cassina mehrere Klassiker modernen italienischen Designs zu entwerfen. Obwohl er seine Arbeit als Architekt nie niederlegte, sind seine Möbel das, was ihm seine große Bekanntheit einbringt. Einige seiner Stücke heute sind dauerhaft im Museum of Modern Art in Manhattan, New York, ausgestellt.

Auch die 1970er waren geprägt von Magistrettis Erfolgen im Bereich des industrial design. Er verhalf mit seinen Lampen der Marke Oluce zu ihrem Erfolg, hatte aber auch schon für Artemide entworfen.

1980 war Vico Magistretti bereits so gefeiert, dass er am Royal College of Art in London lehrte, wo er 1983 auch Ehrenmitglied wurde. Die späteren Vertreter des Minimalismus, Jasper Morrison und Konstantin Grcic, nannten ihn als einen bedeutenden Einfluss und Bezugsgröße für ihre aufregenden Entwürfe.

Als er Ende der 80er Madalena de Padova kennenlernte, nahm die Verbreitung von Magistrettis Entwürfen weiter zu. In den 1990ern arbeitete er nicht nur, zusammen mit Patricia Urquiola, für De Padova, sondern auch für Flou, Kartell und Schiffini.

Als er 2006 im Alter von 85 Jahren in seinem geliebten Mailand stirbt, hat er nicht nur Designklassiker von zeitloser Schönheit geschaffen und ganze Städte mit seinem urban design verändert, sondern auch viele Preise erhalten, wie zum Beispiel den Compasso d’Oro der von ihm mitbegründeten ADI (Associazione per il Disegno Industriale) für sein Lebenswerk.

Vico Magistretti: Werk

Vico Magistretti hat mindestens 60 Produkte für renommierte Hersteller wie Cassina, Oluce, Flou, Kartell, Schiffini, Artemide, Knoll International, B&B Italia und sogar Rosenthal entworfen. Seine Werke sind geprägt von der Schönheit geometrischer Formen und der typisch gewordenen Eleganz des Italian Design.

Sein Design wurde stark von seiner Arbeit in der Architektur beeinflusst, bei der man zusammen mit der neuesten Technik, den Herstellern und den Kunden arbeitet, um am Ende ein einzelnes, gutes und langlebig schönes Objekt zu fertigen. Die Praxis, oberflächliche, nach der Mode gehende und dem Geschmack des wählerischen Kunden unterworfene Wegwerfmöbel zu entwerfen, hält Vico Magistretti nicht für Design. Echtes Design muss immer auf einer realen Grundlage beruhen, und nichts Unnötiges aufweisen. Dann kann und muss es auch schön sein.

Vico Magistretti: Most Loved

Viele zeitlos schöne Dinge stammen aus der Feder von Vico Magistretti – hier sind unsere Lieblinge:

• Der Lehnstuhl Carimate von 1959 für Cassina begründete Magistrettis Ruhm als Interior Designer. Die Kombination aus Strohgewebe und eleganten Formen begeistert auch heute noch.

• Die Lampe Eclisse von 1966 für Artemide ist vielleicht das bekannteste Objekt von Vico Magistretti. Sie erlaubt durch das bewegliche Lid, das Licht direkt oder diffus erstrahlen zu lassen.

• Die Lampe Chimera von 1969 für Artemide überzeugt durch ihre geschwungene, ätherische Leichtigkeit.

• Der Stuhl Selene von 1969 für Heller besteht aus einem Stück Plastik und ist genauso funktionell wie optisch optimiert.

• Das Sofa Maralunga von 1973 für Cassina revolutionierte die Sofas durch die flexible Lehne.

• Das Klappregal Nuvola von 1977 für Cassina zeigt die Liebe Vico Magistrettis zu klaren, geometrischen Formen.

Vico Magistretti war in vielerlei Hinsicht solide und traditionsbewusst. Seine Möbel, Lampen und auch seine Gebäude tragen diese Essenz in sich und gelangen dadurch zu ihrer revolutionären Kraft, weil sie das Alte aufnehmen, um das Neue zu gestalten.

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